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15.3.2010 12:51

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Gescheitert - und trotzdem gut abgesichert

Wer einmal in die Chefetage vorgestossen ist, der muss sich um seine Zukunft nicht sorgen. Auch wenn er abgesetzt wird, dann wird noch vorgesorgt. Das zeigen jedenfalls die neusten Zahlen aus dem Geschäftsbericht der UBS. Entlassene Manager erhielten 2009 noch 39 Millionen Franken. Das Problem: Es gibt für gescheiterte Manager kein Risiko. Wer scheitert, bekommt noch viel Geld nachgeworfen. Warum beispielsweise der abgesetze VR-Präsdient Peter Kurer noch einen Pensionskassenzuschuss von 3.3 Millionen Franken bekommt, bleibt unklar. Zudem war Kurer offenbar auch nach seinem Abgang als Verwaltungsratspräsident beratend tätig - dafür erhält er nochmals eine Million.

Es ist schon fast ironisch, dass der Einzige, der einen gewissen Verzicht leistet, UBS-Präsident Kaspar Villliger ist. Er verzichtet auf eine Aktienzuteilung und reduziert freiwillig sein Basis-Salär. Offenbar hat dieses persönliche Opfer von Kaspar Villliger überhaupt keine Nachahmer gefunden. Kaspar Villiger ist allein auf weiter Flur - sein Einfluss auf den Verwaltungsrat scheint gering. Der Verwaltungsrat hat sich nicht überzeugen lassen, dem Beispiel Villigers zu folgen. Dabei wäre das angezeigt gewesen. Immerhin macht die Bank einen Verlust von 2.74 Milliarden Franken. Da dürfte man von einem Verwaltungsrat Bescheidenheit erwarten. Und wenn der Verwaltungsrat nicht verzichtet, dann ist ein Verzicht bei den Konzernleitungsmitglieder schon gar nicht angesagt.

Die 13 Konzernleitungsmitglieder erhielten rund 69 Millionen Franken. Jedes Geschäftsleitungsmitglied also weit über 5 Millionen Franken. Man muss nun kein Prophet sein, um die wirtschaftspolitisch katastrophalen Konsequenzen einer solchen Entlöhnung vorauszusagen:

Es ist in der Schweiz kaum noch möglich, wirtschaftlich sinnvolle Reformen, die Opfer verlangen, durchzuführen. Wer will sparen, wenn sich die sonst schon Privilegierten weiterhin bedienen, als habe es keine Finanzkrise gegeben? Das sind schlechte Nachrichten für alle, die glauben, dass gerade die Sozialversicherungen grosse Reformen brauchen.

Viele Sozialversicherungen machen riesige Defizite. Der Schuldenberg bei der Arbeitslosenkasse beträgt inzwischen 10 Milliarden Franken. Aber kann man einem Arbeitslosen etwas wegnehmen, wenn gescheiterte Manager Millionen kassieren?

Der Denkzettel für solche Honorierungen wird kommen - spätestens wenn an der Urne über neue Intiativen zur Eindämmung der Millionengehälter abgestimmt wird. Ob die vorgeschlagenen Initiativen und Gegenvorschäge irgendetwas nutzen oder allenfalls sogar schaden, wird dann keine Rolle mehr spielen und absolut sekundär sein. Die Geduld vieler Stimmbürger ist am Ende.



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5.3.2010 13:53

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UBS-Sondermüll noch lange nicht entsorgt

Nach meinem Arena-Auftritt zum Thema UBS habe ich gelegentlich von Zuschauern gehört: Lasst die Bank in Ruhe und beschäftigt Euch nicht mehr mit der UBS. Die Bank ist gerettet - und damit kein Thema von öffentlichem Interesse mehr. Schön wärs.

Ein Blick in die Bilanz des Stabilisierungs-Fonds der Nationalbank, welche die ehemaligen UBS-Schrottpapiere verwaltet, zeigt, welche Risiken die SNB und damit wir alle als Steuerzahler und Staatsbürger noch immer tragen. Und die sind beachtlich: Auf 24 Milliarden kommen die alten UBS-Risiken uns alle zu stehen.

Im letzten Jahr waren darauf nochmals so viele Abschreibungen notwendig, dass das Eigenkapital des Stabilisierungsfonds von knapp 4 Milliarden Franken inzwischen aufgebraucht ist. Dass nicht schon heute die Nationalbank-Bilanz zusätzlich belastet worden ist - und damit Nationalbank-Reserven angezapft werden mussten - hängt einzig an einer Option, die die Nationalbank gegenüber der UBS noch besitzt. Bei einem Verlust des Stabilisierungsfonds kann die Nationalbank eine Option auf 100 Millionen UBS-Aktien einlösen. Im Verlustfall würde also die Nationalbank zur UBS-Grossaktionärin. Der Puffer dieser Option beträgt noch rund 1.2 Milliarden Franken. Sollten dieses Jahr also nochmals Abschreiber in dieser Grössenordnung notwendig sein, wäre auch dieser Puffer aufgebraucht.

Der Wert der Option ist von ihrer Laufzeit und dem Aktienpreis der UBS abhängig. Über die genaue Ausgestaltung der Option gibt es keine Angaben. Sicher richtig ist aber, dass die Nationalbank aus Eigeninteresse an einem hohen UBS-Aktienkurs interessiert sein muss. Das ist nicht unproblematisch - aus Sicht der Systemstabilität müsste die SNB gegenüber einer Grossbank eigentlich neutral eingestellt sein und kein Eigeninteresse haben.

Nun heisst das alles nicht, dass die Nationalbank nicht langfristig doch noch einen Gewinn aus diesen Papieren herausholen kann. «Wir sind für die Ewigkeit da», hat der damalige Nationalbankpräsident Roth im Herbst 2008 bei der UBS-Rettungsaktion gesagt. Notfalls kann die SNB Jahre warten, bis sie die Papiere aus dem Fonds ganz abbaut. Damit besteht durchaus noch die Chance auf einen Gewinn. Die Risiken, die wir alle tragen, sind aber nach wie vor enorm. So sehr sich die UBS wünscht, aus dem öffentlichen Fokus zu verschwinden, so illusorisch ist dies. UBS-Chef Grübel möchte schon lange diese Papiere zurückkaufen - für 2010 ist das aber illusorisch. Die Aufsichtsbehörden lassen einen Rückkauf nicht zu - zu Recht. Denn die UBS hat derzeit garantiert keine 24 Milliarden Franken übrig, die sie für einen Rückkauf einsetzen kann. Zuerst muss die Bank endlich den Vermögensabfluss stoppen und die Eigenkapitalquote verstärken.



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26.2.2010 10:46

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Die Obligationen-Falle

Das wirklich beunruhigende an der Krise rund um die Staatsverschuldung Griechenlands ist, dass nun auch die bisher als so sicher geltenden Obligationen plötzlich in den Ruf geraten, gar nicht mehr so sicher zu sein. Was auf Stein gebaut war, scheint nun plötzlich auf Sand konstruiert. Denn praktisch die gesamte Anlagepolitik von privaten aber auch institutionellen Anlegern basiert auf Obligationen.

Wer in die Portfolios von Pensionskassen oder Versicherungen hineinschaut, dem schwant Böses. Im Rahmen der Aktienkrise haben beispielsweise die Pensionskassen  Aktienanlagen massiv abgebaut. Im Gegenzug wurde das Engagement bei Obligationen erhöht. Und nicht nur das - aus Sicherheitsgründen wurden überproportional viele Staatsobligationen gekauft. Sollten sich diese als unsolide erweisen, würde ein Tsunami über die Finanzmärkte rollen. Der Crash im Jahr 2008 wäre im Vergleich dazu eine sanfte Welle.

Ein gutes Beispiel ist Swiss Re, einer der grössten Rückversicherer der Welt. Nachdem sich Swiss Re mit komplizierten Finanzprodukten und Aktienanlagen schwer verhauen hatte, wollte man kein Risiko mehr eingehen. Die Aktienanlagen wurden 2009 praktisch auf Null heruntergefahren. Was wurde gekauft? Natürlich Obligationen. Diese sind in den Büchern nun überproportional vertreten. Und die Staatsobligationen sind dabei in der Überzahl. Sollte es zu einer weiteren Verschlechterung der Ratings von Staaten kommen, müsste Swiss Re entsprechende Abschreiber vornehmen. Diese könnten schnell in die Milliarden gehen. Denn Staatsobligationen sind traditionsgemäss nicht abgesichert. Swiss Re würde in der Obligationen-Falle stecken. Bis vor kurzem war unvorstellbar, dass Staaten in Europa, die Teil des Euro sind, Pleite gehen können.

Wir sind auch jetzt weit von einem solchen Szenario entfernt. Aber nur schon der Hauch einer Verunsicherung bei Staatsobligationen hat tiefgreifende Konsequenzen. Denn bisher galt der Staat als letzte Sicherheit für Anleger. Fällt diese weg, dann ist es kein Wunder wenn Leute aus Panik beginnen, wie verrückt Gold zu kaufen und dieses im Gotthard-Massiv zu bunkern (wie ein Beitrag in ECO gezeigt hat). Wer heute immer nur neue Konjunkturprogramme auf Pump fordert, der blendet aus, dass ein immer stärker verschuldeter Staat fast genau so brand gefährlich ist wie eine nicht vom Fleck kommende Konjunktur.



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18.2.2010 09:12

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Postfinance gibt den Banken den Tarif durch

Die UBS hat letztes Jahr praktisch jedes Quartal in der Schweiz rund 4 bis 6 Milliarden Franken an Vermögen verloren. Postfinance hat im ganzen letzten Jahr 20 Milliarden an zusätzlichen Geldern durch ihre Kunden bekommen. Man braucht jetzt kein Prophet zu sein, um zu behaupten, dass ein wesentlicher Teil der Neugelder, die die Postfinance bei sich einbuchen konnte, von verärgerten und verunsicherten UBS-Kunden stammt. Und dies obwohl die UBS vor allem im zweiten Halbjahr längst stabilisiert war und eigentlich wenig Grund für die Kunden bestand, weiterhin Geld abzuziehen.

Kommt dazu, dass nicht nur Postfinance eine Staatsgarantie hat, sondern letztlich auch die UBS. Trotzdem wollten die Kunden ihr Geld nicht mehr bei der UBS anlegen. Vielleicht sollte der Chef der UBS Schweiz, Franco Morra, - der hauptsächlich durch seine völlige öffentliche Abwesenheit glänzt - sich etwas intensiver mit dem Geschäftsmodell von Postfinance auseinandersetzen. Offenbar macht man dort einiges besser als bei der UBS.

Grundsätzliche Fragen müssen sich auch die anderen Banken stellen. Warum profitiert vor allem Postfinance von der Schwäche der UBS? Schliesslich verfügen auch die Kantonalbanken über eine Staatsgarantie. Der Erfolg von Postfinance könnte auf Defizite bei den Banken hinweisen. Würden diese ihre Arbeit perfekt machen, hätte Postfinance nicht diesen riesigen Erfolg. Offensichtlich ist das Image von Postfinance besser als jenes der Banken.

Und vielleicht sollte auch Postfinance über die Bücher gehen und die Absicht aufgeben, eine Postbank werden zu wollen. Unter der Marke Postfinance lebt es sich doch viel besser. Es ist nämlich nicht von der Hand zu weisen, dass die Kunden heute auf den Begriff «Bank» geradezu allergisch reagieren. Offensichtlich ziehen sie ein Institut, das sich explizit eben nicht Bank nennt, den klassischen Banken vor. Die Kunden sind froh, die Alternative einer «Nicht-Bank» zu haben. Post-Chef Jürg Bucher, der den Erfolg von Postfinance verantwortet, hat dies inzwischen selbst realisiert. Von Postbank spricht er schon gar nicht mehr, er handelt einfach so, als ob sein Institut schon längst eine Banklizenz hätte.



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15.2.2010 11:25

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Grossbanken massiv geschrumpft

In der Politik wird derzeit viel über das Too-big-to-fail-Problem gesprochen und diskutiert. Die Schweizer Grossbanken sind so gross, dass sie im Notfall vom Staat gerettet werden müssen - siehe UBS. Das ist aber inakzeptabel, weil in einer Marktwirtschaft keine privatwirtschaftliche Firma eine Staatsgarantie haben kann. Jede Firma muss spüren, dass sie untergehen kann, wenn sie am Markt nicht mehr erfolgreich ist. Nun geistern ja viele Ideen herum, wie man das Too-big-too-fail-Problem lösen könnte. Derzeit ist eine Arbeitsgruppe des Bundes daran Lösungsvorschläge auszuarbeiten, die dann im Oktober präsentiert werden.

Was allerdings nur wenige bemerkt haben: Die Schweizer Grossbanken sind bereits massiv geschrumpft. So stark, dass man sich fragen muss, ob Too-big-to-fail überhaupt noch ein Problem ist. Die UBS hatte noch vor 3 Jahren eine Bilanzsumme von über 2500 Milliarden Franken. Inzwischen liegt die Bilanzsumme bei 1300 Milliarden Franken - die Grossbank ist also auf die Hälfte ihrer einstigen Grösse geschrumpft. Ã„hnliches läuft bei der Credit Suisse ab. Auch diese hat im Zuge der Bereinigung der Bilanz problematische Anlagen und dubiose Schrottpapiere abgestossen. Inzwischen sind die Bilanzen der beiden Grossbanken noch rund 4 mal so gross wie die jährliche Wirtschaftsleistung der Schweiz. Das ist im Falle eines Bankrottes immer noch viel - aber längst nicht mehr so viel wie vor 3 Jahren als das Verhältnis 8 zu 1 war.

Mit anderen Worten: Es braucht möglicherweise gar keine dramatische Aufspaltung der Grossbanken oder harte Eingriffe in die unternehmerische Freiheit wie eine Abspaltung des Investment Banking oder die Gründung einer Holding mit ausländischen Tochterfirmen. Was es braucht, sind strikte Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften. Diese müssen international koordiniert werden. Dazu könnte man gewisse Dienstleistungen der Banken wie den Zahlungsverkehr oder die Kontobetreuung technisch so organisieren, dass sie im Falle einer Bank-Pleite von einer anderen Bank Ã¼bernommen werden können, ohne dass es eine Störung im Angebot dieser Dienstleistungen gibt.

All das wäre weitaus sinnvoller als radikale Massnahmen, die Politiker vorschlagen, die vom Bankgeschäft nichts verstehen. Die Grossbanken sind bereits stark geschrumpft, wenn man sie jetzt noch stärker eindampft, dann verliert der Standort Schweiz mehr Arbeitsplätze als notwendig wäre. Und das ist im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld alles andere als sinnvoll.



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11.2.2010 12:10

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Die CS im Vorteil - doch der Finanzplatz bleibt unter Druck

Es besteht kein Zweifel - die CS ist der UBS weit voraus. Die CS macht einen Milliardengewinn und baut ihr Geschäft weiter aus. Was aber auch klar ist: Das vierte Quartal der CS ist längst nicht so berauschend, wie das viele Analysten erhofft hatten. Die CS liegt weit unter allen Prognosen. Auch die CS leidet massiv an der italienischen Steueramnestie, die dazu geführt hat, dass Milliarden abfliessen. Die einzige Hoffnung, die die Grossbanken haben, ist, mit teuren Filialen in Italien das Geld wieder zurückzuholen. Bis zu einem gewissen Grad gelingt dies, kleine Banken haben diese Möglichkeit allerdings nicht. Sie haben keine Chancen, abgezogene Gelder durch Filialen vor Ort wieder einzusammeln.

Der Bankenplatz muss sich ganz schnell auf ein neues Geschäftsmodell einstellen, nämlich nur noch versteuertes Geld anzunehmen. Das passiert derzeit und der Prozess ist schmerzhaft. Wer zu lange auf das falsche Geschäftsmodell gesetzt hat, muss jetzt büssen. Das Problem sind zudem die unversteuerten Gelder, die seit Jahrzehnten da sind. Diese Vermögen müssen auf irgendeine Art und Weise «weiss» gewaschen, sprich legalisiert werden. Das ist eines der grossen Probleme. Niemand hat eine Ahnung, wie das konkret geschehen soll.

Andererseits stellt sich die Frage, ob das Schweizer Banking auch dann noch attraktiv genug ist, wenn das Steuerhinterziehungs-Geld keine Rolle mehr spielt. Die Banken behaupten immer, die Schweiz ist dank Solidität und eigener Währung noch immer stark genug, um viel internationales Geld anzuziehen. Denn der Service hier sei einmalig. Ist das so? Ich habe meine Zweifel. So überragend sind die Performance-Ergebnisse der Schweizer Banken nicht. So überragend sind die Beratungsqualitäten auch nicht. Ist es nicht so, dass die Banker mehr Verkäufer als Berater sind und den Kunden gerne überteuerte Produkte ins Depot drücken?

Letztlich wird der Finanzplatz Schweiz schrumpfen, denn die junge Generation will ihr Vermögen dort haben, wo ihr Lebensmittelpunkt ist. Sie werden nicht mehr wie ihre Eltern ihr Geld irgendwo bunkern. Von daher werden die Schweizer Banken ins Ausland zu den Kunden gehen müssen. Die grossen Banken können das stemmen. Nur: Die Arbeitsplätze entstehen im Ausland. Der Arbeitsmarkt Schweiz wird leer ausgehen.



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29.1.2010 12:07

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Der rasante Abstieg des Westens

Je länger das WEF geht, desto stärker ist der Eindruck, dass es nicht mehr der Westen ist, der die Themen hier bestimmt, sondern die neuen aufstrebenden Staaten aus Asien und Lateinamerika. Diese Machtverschiebung hin zu China, Indien, aber auch zu  Lateinamerika, ist die Konsequenz der Wirtschaftskrise. Diese ist im Herzen des westlichen Kapitalismus ausgebrochen und hat die USA massiv geschwächt. Auch Europa kämpft mit Budgetdefiziten und schwächelndem Euro. Als Vorbild für die aufstrebenden Staaten fällt der Westen aus.

Ganz anders sieht die Situation in Indien und China aus. Der Harvard-Historiker Niall Ferguson («The Ascent of Money») sagt im WEF-live-Interview: «Es ist schwer, in Indien nicht optimistisch zu sein». Ganz anders sieht die Welt für den Westen aus. Hier ist Ferguson extrem pessimistisch. Amerika habe sich überfordert und die Konsequenzen dieser Überforderung könnten dramatisch sein. Die Zeit der einzigen Supermacht sind vorbei. Das schöne Jahrzehnt der 90iger Jahre, wo man vom Ende der Geschichte und einer Zeit sprach, in der Konflikte vorbei sind, ist schon in ferner Erinnerung.

Jetzt herrschen verschiedene Mächte, eine multipolare Welt ist entstanden. Diese wird aber ganz anders aussehen als wir Westler das uns erhoffen. Solange sich die neuen Mächte wie China oder Indien einen Kampf um ihre Position im globalen Machtgefüge liefern, wird die Welt unstabiler, unruhiger, undemokratischer. Ferguson geht soweit, dass er Kriege für sehr wahrscheinlich hält. Der Iran-Konflikt, der Irak oder auch Afghanistan werden die Agenda bestimmen - politische Lösungen sind in weite Ferne gerückt. Militärische Lösungen sind auch schwierig, denn auch hier hat sich Amerika massiv überfordert.

Am WEF wird viel über Frieden und globale Governance gesprochen. Ferguson sieht eine riesige Diskrepanz zwischen Theorie und Wirklichkeit. Glauben wir Ferguson, dann steht der Westen nach der Krise da wie der Kaiser ohne Kleider - nackt. Ökonomisch geschwächt, ideologisch ausgepowert und demografisch überaltert. Die Zukunft liegt nicht im Westen.

Vielleicht malt der prominente Harvard-Historiker etwas gar schwarz. Im Chor der von Frieden, Stabilität und Wohlstand plaudernden WEF-Teilnehmer fällt Ferguson aber auf. Wenn auch nur die Hälfte seiner Analyse stimmt, müssen wir uns warm anziehen.

 

Hier finden Sie das Interview mit Niall Ferguson vom WEF

Buchtipp: Niall Ferguson «Der Aufstieg des Geldes»

Bücher-Talk 3/09: Getabstract-Editor Koni Gebistorf bewertet Fergusons Buch



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28.1.2010 09:41

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Das abrupte Ende eines Interviews

Es sind wieder mehr Banker am WEF als letztes Jahr. Das ist wahr. Nur, sie wollen alle nicht vor die Kameras. Das gilt für UBS wie CS, aber das gilt auch für die ausländischen Banker.

Da kommt die Meldung, dass wir ein Interview mit Jacob A. Frenkel, dem Chairman der amerikanischen Bank JP Morgan Chase, für unser Sonderprogramm WEF Live realisieren können. Toll, endlich mal ein Banker, der etwas sagt. Die Enttäuschung folgt beim Einstieg ins Interview, der Pressesprecher winkt ab: Keine Fragen zum Thema Banken. Einen Banker interviewen und keine Fragen zum Thema Banken, geht das? Wir starten das Interview und umkreisen das Thema. Es geht um die Wirtschaft ganz allgemein und um die Verantwortung von uns allen. Frenkel plädiert dafür, dass wir alle unsere Verantwortung wahrnehmen. Okay, da kann ich doch einhaken: Wie steht es mit der Verantwortung der Banken? Jacob Frenkel ist irritiert, spricht aber doch weiter. Klar, dass ich auch noch den amerikanischen Präsident zitieren muss, der will ja gewisse Banken aufspalten. Ist das sinnvoll? Jetzt ist Jacob Frenkel mehr als irritiert. «Danke für das Interview», sagt er und läuft mitten drin aus dem WEF-Live Studio. Das abrupte Ende eines Interviews.

Das ist leider symptomatisch für eine ganze Branche. Sich nicht mit der Öffentlichkeit auseinanderzusetzen, kritische Fragen abzublocken und im Zweifelsfalle ganz einfach rauslaufen, das ist leider typisch für eine Garde von Bankern, die sich noch immer nicht daran gewöhnt haben, mit kritischen Fragen umzugehen.

Das englische Magazin «Economist» - politisch unverdächtig, weil ultra-liberal - schreibt davon, dass eine ganze Branche kollektiv politischen Selbstmord begeht. Dass viele der Ideen, die die Politiker jetzt wälzen jenseits von Gut und Böse sind, ist klar. Nur werden die Banker diese Ideen nicht mehr abblocken können, denn inzwischen ist der Frust über das arrogante Verhalten der Banker derart gross, dass selbst die abstrusesten politischen Ideen, die ökonomisch unhaltbar sind, noch Chancen haben realisiert zu werden.

Dazu passen auch die Äusserungen von UBS-Präsident Kaspar Villiger im Tages-Anzeiger. Nur wenige würden anerkennen, dass die neue UBS-Spitze viel verändert habe. Pardon, wie soll die Öffentlichkeit von diesen Veränderungen wissen, wenn die UBS permanent Interviews ablehnt und niemand eine Ahnung hat, wofür die neue UBS eigentlich steht? Hier am WEF hätte Herr Villiger den grossen Auftritt haben können, hier sind alle Medien. Hier hätte die UBS-Spitze ihren Neu-Aufbruch hin zu «new UBS» kommunizieren können.

Aber es gibt keine Termine - Herr Grübel lässt sich entschuldigen, er muss seine Top-Kunden in den Hotels besuchen. Herr Villiger ist nicht erreichbar, dabei müsste er der politischen Schweiz, und das sind die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, erklären, warum die ganze Schweiz nun wieder mit der USA in Sachen UBS nachverhandeln muss.

Dass Herr Villiger die alten Geschichten aus der Zeit von Marcel Ospel satt hat, ist menschlich absolut verständlich. Nur hat er dieses Amt im Wissen um die Fehler seiner Vorgänger angetreten. Kneifen gilt jetzt nicht. Selbstmitleid ist falsch am Platz.

Kunden sind wichtig, keine Frage  - in der aktuellen Situation der UBS wären allerdings die Information der Öffentlichkeit und die dringend notwendige Überzeugungsarbeit in der Schweiz um einiges zentraler als ein paar Millionäre aus Indien oder Hongkong.



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20.1.2010 10:03

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Der umtriebige Herr Béglé und die fehlende Strategie

Eines muss man Claude Béglé lassen. Er zeigt Grösse. Auch im Moment seiner grössten Niederlage gibt er Interviews in Tagesschau und 10vor10. Etwas pathetisch vielleicht, auch etwas vollmundig  («ich liebe die Schweiz»).  Aber immerhin ist hier jemand, der seine Niederlage würdevoll hinnimmt und nicht einfach durch den Hintereingang verschwindet. Andere Manager könnten sich zumindest diesbezüglich ein Vorbild nehmen. Stil und Würde sind bei Top-Managern derzeit Mangelware.

Was an Claude Béglé erstaunt, ist seine völlig Unbedarftheit, was politische Prozesse anbelangt. Obwohl Claude Béglé in der französischen und der deutschen Post tätig war, die noch viel stärker politisch und gewerkschaftlich gesteuert sind, hat er sich benommen, als führe er ein reines Privatunternehmen. Wer in seiner Tätigkeit bei der französischen und deutschen Post so wenig über die politischen Sensibilitäten gelernt hat, der ist leider an der Spitze der Schweizer Post eine Fehlbesetzung.

Immerhin ist Béglé zugute zu halten, dass er eine wichtige Diskussion angeschoben hat. Wie reagiert ein Unternehmen, dessen Haupteinnahmequelle einem ständigen Erosionsprozess unterworfen ist? Dort wo die hohen Margen der Post sind, nämlich im Briefverkehr, dort wird der Umsatz in den nächsten Jahren wegen der Verschiebung hin zu E-Mail und SMS ständig abnehmen. Die entscheidende Frage ist, soll das Unternehmen einfach schrumpfen und diesen Umsatzrückgang als gegeben hinnehmen (mit allen Konsequenzen für die Arbeitsplätze) oder sollen neue Einnahmequellen erschlossen werden? Neue Einnahmequellen gibt es aber vermutlich nur im Ausland. Und der Aufbau von neuen Standbeinen ist unternehmerisch herausfordernd und vor allem teuer. Ob ein Staatsbetrieb sich auf ein solches Abenteuer einlassen soll, ist eine entscheidende Frage. Hier muss der neue Verwaltungsrat endlich eine Klärung vornehmen. Wolkige Sprüche wie sie Béglé gern in die Runde warf, helfen da nicht.

Die Zeit läuft der Post davon, denn der Einbruch in der Briefpost geht weiter. Ob die in der Rezession ausbleibenden Briefe im Aufschwung wieder geschrieben werden, ist zweifelhaft. Die Post hat letzlich die gleichen Probleme wie die Medien. Der konjunkturelle Einbruch wird überlagert durch einen tiefgreifenden technologischen Wandel. Die Rezession wird 2010 zu ihrem Ende kommen - der technologische Wandel geht mit voller Wucht weiter. Hier braucht es wesentlich mehr als ein paar neue Köpfe im Verwaltungsrat.

 



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12.1.2010 11:27

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Manager enteignen die Aktionäre

Die Aktionäre sind die Eigentümer einer Firma. Sie bestimmen, wie der Gewinn verwendet wird. Das ist reine Theorie - zumindest in der Bank-Branche. Hier bestimmen die Manager gleich selber darüber, in welche Taschen der Gewinn fliesst. Die Aktionäre sollen schweigen und sich mit den Resten begnügen. Die englische Regierung belegte die Boni der Banker mit einer Sondersteuer. Die Idee war, die Banken dazu zu veranlassen, statt Boni auszuzahlen die Kapitalkraft zu stärken. Diese Idee ging voll in die Hosen. Was haben die findigen Banker gemacht? Laut einer Umfrage der Zeitung «Financial Times» schütten sie sich jetzt einfach 50 Prozent mehr Boni aus. Diese 50 Prozent werden dann vom Staat wieder per Steuer eingezogen - unter dem Strich bleibt den Bankern also genau gleich viel Bonus wie früher.

Nun muss das Geld ja irgenwo her kommen. Die Banker bedienen sich einfach aus dem Gewinn - sie plündern die Kassen der Banken - und das zu Lasten der Aktionäre. Wenn sich die Banker das Doppelte an Boni auszahlen, dann nimmt der Gewinn der Banken um 50  Prozent ab. Die Aktionäre schauen in den Ofen.

Die UBS und die CS, auch auf dem Londoner Finanzplatz vertreten, wissen übrigens noch nicht, ob sie die Boni auch gleich um 50 Prozent hochschrauben werden. Es ist damit zu rechnen, dass sie zumindest für ihre englischen Ableger ebenfalls so handeln werden. Dass die Banken im Jahr eins nach dem fast völligen Zusammenbruch des Finanzsystems die Arroganz haben, eine staatliche Massnahme ganz bewusst zu unterlaufen, ist ungeheuerlich. Vor allem auf dem Hintergrund der Tatsache, dass es möglicherweise einige dieser Banken gar nicht mehr geben würde, wären sie nicht von den Steuerzahlern grosszügig unterstützt worden. Bluten müssen die Aktionäre. Wer will unter diesen Umständen eigentlich noch Bank-Aktionär werden?

Für den Staat ist die ganze Sache zumindest finanziell lukrativ. Indem sich die Banker nämlich viel höher als erwartete Boni auszahlen, fliesst viel mehr Geld durch diese Sondersteuer in die Staatskassen. So richtig Freude dürfte der Staat am Geldsegen aber nicht haben. Denn das eigentliche Ziel, dass die Banken ihre Gewinne statt für Boni zur Stärkung ihrer Kapitalkraft einsetzen und damit zu einer verbesserten Robustheit des Finanzsystems beitragen, ist damit definitiv nicht erreicht. Die Gier einiger weniger triumphiert einmal mehr über notwendige Anpassungen zur Verhinderung neuer Krisen.

  



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