Wall Street - Euphorie um Facebook
Das soziale Netzwerk will in der kommenden Woche die Dokumente für den geplanten Börsengang einreichen. Die Wall Street blickt trotzdem auf die erste negative Woche in diesem Jahr zurück. Jens Korte berichtet.
Das Verschwinden der ältesten Schweizer Privatbank
Ausgerechnet der eloquenteste Schweizer Privatbankier Konrad Hummler wird ein Opfer seines US-Geschäfts. Seine Bank Wegelin verschwindet, wird an die Raiffeisengruppe verkauft. Der Hintergrund: Die amerikanischen Behörden prüfen eine Strafklage gegen Wegelin, weil Wegelin offenbar US-Kunden mit nicht versteuerten Vermögen auch nach dem UBS-Skandal übernommen hat.
Wegen etwa 5 Prozent des Geschäftes verlieren Hummler und sein Geschäftspartner Otto Bruderer die Bank und der Name der ältesten Schweizer Bank wird verschwinden. Wegen eines Mini-Geschäfts wurde die Existenz der ganzen Bank in den Sand gesetzt - eine vorausschauende, intelligente Geschäftsführung war das nicht.
Raiffeisen wird die Bank neu unter Notenstein Privatbank AG führen. Für Raiffeisen ist der Deal gut, denn Raiffeisen kommt vermutlich recht günstig zu vielen neuen Kunden im interessanten Vermögensverwaltungsgeschäft. Wegelin schützt mit dem Verkauf die Arbeitsplätze in der Schweiz.
Dieser Paukenschlag in der Privatbanken-Szene zeigt, wie gefährlich eine Anklage in den USA ist, selbst für Banken, die keine Repräsentanz in den USA haben. Wird eine Bank nämlich in den USA angeklagt, dann dürfen alle amerikanischen Banken keine Geschäfte mehr mit einer solchen Bank abschliessen.
Und obwohl Wegelin nicht mehr viel mit den USA zu tun hat, ist das offenbar so existenzbedrohend, dass die Bank jetzt aufgeben muss. Eine dramatische Entwicklung, auch die anderen Banken, die auf der ominösen Liste der Amerikaner stehen, sollten aufgeschreckt sein.
Wenn zwei mächtige Frauen streiten
Angela Merkel sagt am WEF Nein, Christine Lagarde sagt Ja. Die beiden einflussreichsten Frauen der Welt befinden sich im Clinch, was den Euro-Rettungsschirm anbelangt.
Während Christine Lagarde unbedingt den Fonds auf 1000 Milliarden Euro aufstocken will, winkt Angela Merkel ab. Sie will das ihren Wählern nicht zumuten, denn noch mehr Geld für Griechenland dürfte in Deutschland äusserst unpopulär sein. Christine Lagarde dürfte aber nicht nachgeben. Wenn die Europäer noch mehr Geld vom Währungsfonds wollen (und das wollen sie bestimmt), dann müssen sich die Europäer stärker beteiligen.
Merkel hofft noch immer, dass sich Europa schon irgendwie durchwursteln könnte, ohne eine Erhöhung. Die meisten Experten glauben aber, dass das nicht geht. Denn jetzt muss eine Brandmauer um Italien und Spanien errichtet werden. Sollten diese Staaten von den Spekulanten attackiert werden, dann würde das den Euro endgültig ruinieren. Lagarde will für diesen Fall gewappnet sein.
Gleichzeitig muss endlich der Schuldenschnitt von Griechenland über die Bühne gehen. Ohne eine Lösung mit Athen geht es nicht. Das heisst aber noch lange nicht, dass der Euro dann schon über den Berg ist. Denn das grosse Problem bleibt bestehen: Die Leistungsbilanz-Unterschiede zwischen den europäischen Staaten sind gigantisch. Hier ist Sprengpotenzial vorhanden. Solange dieses Problem nicht attackiert wird, dürfte die Konstruktion Euro instabil bleiben.
Wall Street - Geldschwemme verpufft
An der Wall Street verpufft die Geldschwemme der Notenbank. Starbucks meldet nachbörslich gute Quartalsergebnisse. Jens Korte berichtet von der Wall Street in New York.
Das Sanatorium des Kapitalismus
In Davos wurden von jeher Lungenkranke in den Sanatorien behandelt und geheilt. Das Höhenklima ist beim Heilungsprozess besonders förderlich. Das hat sogar Thomas Mann in seinem Roman «Der Zauberberg» auf seine unvergleichliche Art dargestellt.
Das soll nun auch mit dem Kapitalismus passieren. WEF-Gründer Klaus Schwab nennt Davos das Sanatorium des Kapitalismus. Dass der Kapitalismus letztlich alternativlos ist, scheint klar, dass er reformiert werden muss, ist ebenso offensichtlich. Die Frage ist nur, wie das gehen soll.
Die einen finden nämlich, wir hätten zu viel Kapitalismus gehabt und diese Deregulierung habe uns in die heutige Misere gestürzt. Die anderen sind überzeugt, dass wir zu wenig Kapitalismus haben, dass letztlich staatliche Akteure und die Notenbanken für die Krise verantwortlich sind. Indem die Staaten zum Beispiel die Banken gerettet haben, haben sie den Markt-Mechanismus, der für den Kapitalismus entscheidend ist, ausser Kraft gesetzt. Das ist aber tödlich, weil es falsche Anreize setzt. Die Anhänger dieser These sind der Meinung, dass man selbst grosse Banken Pleite gehen lassen muss, wenn sich die Manager verzocken.
Zwischen diesen beiden grossen Meinungen geht die Diskussion hier hin und her. Im Kern ist es die altbekannte Frage: Wie viel Staat oder wie viel Markt braucht es? Das Pendel scheint derzeit ganz klar auf die Seite der Staats-Befürworter auszuschwingen. Denn hier in Davos ist jetzt sogar der Staatskapitalismus salonfähig geworden.

















