28.1.2010 09:41

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Das abrupte Ende eines Interviews

Es sind wieder mehr Banker am WEF als letztes Jahr. Das ist wahr. Nur, sie wollen alle nicht vor die Kameras. Das gilt für UBS wie CS, aber das gilt auch für die ausländischen Banker.

Da kommt die Meldung, dass wir ein Interview mit Jacob A. Frenkel, dem Chairman der amerikanischen Bank JP Morgan Chase, für unser Sonderprogramm WEF Live realisieren können. Toll, endlich mal ein Banker, der etwas sagt. Die Enttäuschung folgt beim Einstieg ins Interview, der Pressesprecher winkt ab: Keine Fragen zum Thema Banken. Einen Banker interviewen und keine Fragen zum Thema Banken, geht das? Wir starten das Interview und umkreisen das Thema. Es geht um die Wirtschaft ganz allgemein und um die Verantwortung von uns allen. Frenkel plädiert dafür, dass wir alle unsere Verantwortung wahrnehmen. Okay, da kann ich doch einhaken: Wie steht es mit der Verantwortung der Banken? Jacob Frenkel ist irritiert, spricht aber doch weiter. Klar, dass ich auch noch den amerikanischen Präsident zitieren muss, der will ja gewisse Banken aufspalten. Ist das sinnvoll? Jetzt ist Jacob Frenkel mehr als irritiert. «Danke für das Interview», sagt er und läuft mitten drin aus dem WEF-Live Studio. Das abrupte Ende eines Interviews.

Das ist leider symptomatisch für eine ganze Branche. Sich nicht mit der Öffentlichkeit auseinanderzusetzen, kritische Fragen abzublocken und im Zweifelsfalle ganz einfach rauslaufen, das ist leider typisch für eine Garde von Bankern, die sich noch immer nicht daran gewöhnt haben, mit kritischen Fragen umzugehen.

Das englische Magazin «Economist» - politisch unverdächtig, weil ultra-liberal - schreibt davon, dass eine ganze Branche kollektiv politischen Selbstmord begeht. Dass viele der Ideen, die die Politiker jetzt wälzen jenseits von Gut und Böse sind, ist klar. Nur werden die Banker diese Ideen nicht mehr abblocken können, denn inzwischen ist der Frust über das arrogante Verhalten der Banker derart gross, dass selbst die abstrusesten politischen Ideen, die ökonomisch unhaltbar sind, noch Chancen haben realisiert zu werden.

Dazu passen auch die Äusserungen von UBS-Präsident Kaspar Villiger im Tages-Anzeiger. Nur wenige würden anerkennen, dass die neue UBS-Spitze viel verändert habe. Pardon, wie soll die Öffentlichkeit von diesen Veränderungen wissen, wenn die UBS permanent Interviews ablehnt und niemand eine Ahnung hat, wofür die neue UBS eigentlich steht? Hier am WEF hätte Herr Villiger den grossen Auftritt haben können, hier sind alle Medien. Hier hätte die UBS-Spitze ihren Neu-Aufbruch hin zu «new UBS» kommunizieren können.

Aber es gibt keine Termine - Herr Grübel lässt sich entschuldigen, er muss seine Top-Kunden in den Hotels besuchen. Herr Villiger ist nicht erreichbar, dabei müsste er der politischen Schweiz, und das sind die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, erklären, warum die ganze Schweiz nun wieder mit der USA in Sachen UBS nachverhandeln muss.

Dass Herr Villiger die alten Geschichten aus der Zeit von Marcel Ospel satt hat, ist menschlich absolut verständlich. Nur hat er dieses Amt im Wissen um die Fehler seiner Vorgänger angetreten. Kneifen gilt jetzt nicht. Selbstmitleid ist falsch am Platz.

Kunden sind wichtig, keine Frage  - in der aktuellen Situation der UBS wären allerdings die Information der Öffentlichkeit und die dringend notwendige Überzeugungsarbeit in der Schweiz um einiges zentraler als ein paar Millionäre aus Indien oder Hongkong.


Kommentare
 

28.1.2010 11:35

  

Das sich US-Banker zur Zeit nicht zu Bankreformen in den USA äussern wollen, ist verständlich. Gegenwärtig arbeiten sie daran, diese klein zu halten. Da der Volkszorn in den kapitalistischen USA gross ist, müssen sie vorsichtig sein. Die Republikaner sind gegenwärtig im Aufschwung, womit sie möglichst nichts tun wollen, um das Volk zu verärgern. Die Lobbyisten sondieren, was wo möglich ist und versuchen möglichst viel für die Banken raus zu holen. Alles, was US-Banker öffentlich sagt, könnte sie teuer zu stehen kommen. Was die Öffentlichkeit bewegt, bewegt die Politiker.

Die Banker haben unterdessen erkannt, dass sie am Rande des Selbstmordes sind. Nun greifen sie nach dem Telefon, um den Notarzt zu rufen. Ein Interview mit einem Banker ohne das Thema Banken ist zwar amüsant. Aber wenn dem Zugestimmt wurde, sollte man sich daran halten. Selbst die Politiker in unserem Land - einige Moralprediger und Ankläger der Kriminalität - fordern einen Konzern auf, Schweizer Gesetze zu brechen. Sie plädieren dafür, dass die Schweiz sich nicht an internationale Verträge hält. Wohin sind wir gekommen?

Dass die UBS sich bedeckt hält, ist ebenfalls verständlich. Was könnte sie sagen, was die Menschen zufriedenstellt? Fände sie etwas, dürfte es nicht schädlich sein. Durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zogen neue Sturmwolken auf. Ob das Parlament mitmacht, ist leider fraglich. Es will sich aus der Verantwortung stehlen. Da ist ein Unding, denn der Konflikt zwischen der UBS und den USA trifft die Schweizer Gesetzgebung. Das nebenbei. Alles, was die UBS jetzt sagt, könnte in einer späteren Auseinandersetzung in den USA problematisch sein. Anzeigen gegen ihre eigene Führung ebenfalls. Es zeigte, dass die UBS annimmt, dass ihre Operative Führung Mitschuld ist (was wahrscheinlich ist).In Klagen von Steuerdelinquenten gegen die UBS kann das sehr gefährlich sein. Wer das US-Justizsystem kennt, weiss das.

Natürlich wäre es angenehm, wenn die UBS mehr sagte. Ich denke, zu gewissen Themen sollte die UBS-Führung stärker Stellung nehmen. Leider dreht sich in der Öffentlichkeit zu Zeit alles um die Steuerprobleme. Somit könnte die UBS die Öffentlichkeit nicht zufriedenstellen. Man würde ihr Vorwerfen, dass sie ausweicht. Wenn sich nichts gewinnen lässt, schweigt man besser. Das ist so. Besonders wenn man das Top-Ärgernis eines Landes ist. Das trifft auch für die US-Banken zu.

M. Schmid


28.1.2010 21:26

  

Wer die Macht hat, kann sich um die Bedürfnisse anderer einen Deut scheren.

Es wird Zeit, die Banken zu entmachten. Ja, sie sind systemrelevant. Aber dieses System ist NICHT gesellschaftlich relevant.

Nadine Binsberger


29.1.2010 02:36

  

"Das ist leider symptomatisch für eine ganze Branche. Sich nicht mit der Öffentlichkeit auseinanderzusetzen, kritische Fragen abzublocken (...) das ist leider typisch für eine Garde von Bankern, die sich noch immer nicht daran gewöhnt haben, mit kritischen Fragen umzugehen":

Sarkozy machte in seiner IWF-Eröffnungsrede vor allem die globalen Ungleichgewichte und die falsche Bewertung einiger Währungen für die Krise verantwortlich, doch konkrete Beschlüsse können im WEF-Elfenbeinturm nicht gefasst werden. An Kritik am Finanzkapitalismus wird es somit nicht fehlen.

Wir leben in einer offenen Gesellschaft, was die geschlossene Gesellschaft WEF ganz einfach ignoriert.

Gefährlich wird es für alle, wenn sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft allzu sehr abkoppelt. Wenn Goldgeschäfte nicht mehr mit Gold hinterlegt sind, Aktiengeschäfte nicht mehr mit Aktien, dann sind Spekulationsblasen vorprogrammiert. Solche Übertreibungen enden stets mit einem Absturz. Das weiß man, ändert aber daran nichts, weil sich zwischenzeitlich immer wieder eine Menge Geld machen lässt. Viele Banken haben aktuell z.B. die Gebühren klammheimlich für die EC-Karten erhöht – einige Institute verlangen mittlerweile mindestens zehn Euro pro Vorgang. Dienst am Kunden sah anders aus.

Der Selbstherrlickeit in der Finanzwelt muß durch einscheidende Regeln ein Ende gesetzt werden.

C. Klein


29.1.2010 15:56

  

Im Moment ist es natürlich sehr populär, auf Banken rumzuhacken.
Gewisse Regulierungen sind sicherlich notwendig, aber diese sollten in angemessenem Rahmen und überlegt sein. Ich verstehen die Banken, die zur Zeit abblocken, da eine sinnvolle Diskussion zur Zeit nicht möglich ist. Aus dem Volk sowie von der Politik kommt zur Zeit fast ausschliesslich Hass gegen die Banken.

Ein gutes Beispiel für die schwierige Situation beschreibt Boris Johnson, Bürgermeister von London, der sich nun um seine Stadt fürchtet, nachdem die UK-Regierung eine 50% Steuer auf Banken-Boni eingeführt hat. Banken sowie Hedge Funds und Private Equity Häuser überlegen sich nun den Wegzug von London.
London's Finanzplatz generiert 9% vom BIP Englands und stützen zahlreiche Arbeitsplätze.
Interview:
http://cosmos.bcst.yahoo.com/up/player/popup/?rn=289004&cl=17872723&src=finance&ch=1316259

Hier könnte die Schweiz profitieren und nicht den populistischen, bank-feindlichen Aktionen folgen, welche die Politiker im Moment angesichts anstehender Wahlen durchpeitschen.

Kurz: Regulierung ja, Hass und Ausgrenzung nein.

P. A. Müller


30.1.2010 09:27

  

Das Interview mit Joe Ackermann war entlarvend. Auf die Frage, ob Boni überhaupt notwendig seien - Bravo Reto Lipp, die zu stellen -, denn die Aerztin kriege ja auch keine Belohnung für die Konsultation, wurde Joe ganz ernsthaft: Ja, die Fluktuation zwischen den Banken sei ja sehr rege, denn diese müssten ihr Personal aus dem bedauerlicherweise kleinen Reservoir an Finanzprofis aufstocken. Und diese Bonis würden eben die Leute auf ihren Stühlen halten. Nun sei es eben am Staat ganz viele neue Finanzprofis auszubilden, meinte Joe. Leider nickte Reto diese unglaubliche Wortmeldung nur ab. Ja und wie steht es mit dem ganz normalen Anstand, hätte er nachfragen können? Wie wäre es, wenn die Banker in diesen harten Zeiten statt Geldgier Anstand zeigen würden? Und die Mailaise, die sie angerichtet haben, erst einmal zum Normaltarif ausbaden würden, statt all das abzugreifen, was dahin zurückfliessen müsste, woher es kam. Von den SteuerzahlerInnen, die die Banken gerettet haben.
Ackermann und Konsorten sind ein ganz übles Pack.

Marianne Weissberg


31.1.2010 04:10

  

@P.A.Müller:

Sie machen es sich gar zu einfach. Die Banker machen einfach weiter wie bisher und wenn man sie darauf anspricht, dass das nicht gehe, dann ziehen sie sich zurück. Jemandem einmal die Leviten lesen hat nichts mit Hass zu tun sondern das ist absolut gerechtfertigtes aufmerksam machen auf bestehende Probleme, für welche die Banker einfach ofensichtlich blind sind. Wären sie nicht so blind und taub, müsste man sie auch nicht anschreien.

Aber vielleicht haben Sie ja Recht, @Müller: schreien nützt nichts, denn sie werdens auch so nicht zur Kenntnis nehmen. Banker ignorieren und Wirtschafts-System umwälzen. Das ist wohl das einzige, was Zukunft hat. Denn die Banken sind zwar System relevant, aber dieses System ist nicht gesellschaftlich relevant.

Nadine Binsberger


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