25.1.2012 16:03

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Staatskapitalismus: Zukunftsmodell oder Gefahr für die Welt?

Am WEF wird eine intensive Debatte über die Zukunft des Kapitalismus geführt. Wichtig ist auch die Frage, wie man mit dem Staatskapitalismus der chinesischen Ausprägung umgehen soll. «ECO» hat die Diskussion schon vor einem Jahr angestossen: zusammen mit dem weltweit führenden Spezialisten zum Thema: Ian Bremmer. Und Bremmer war richtig stolz, dass er schon damals bei «ECO» dazu interviewt wurde, denn diese Woche hat das renommierte Wirtschaftsmagazin «The Economist» eine Titelstory zu genau diesem Thema veröffentlicht.

 

Der «Economist» sieht den Staatskapitalismus allerdings sehr viel negativer als Ian Bremmer.  Das Wirtschaftsmagazin empfiehlt den Chinesen die Staatsbetriebe zu verkaufen. Bremmer sieht das ganz anders: «Das hätten wir im Westen wohl gern, die Chinesen werden das aber niemals tun. In der aktuellen Phase der chinesischen Wirtschaftsentwicklung bringt es viele Vorteile, wenn der Staat seine Firmen massiv fördert», sagt Bremmer bei WEF live.

 

Laut Bremmer sollten wir aber nicht Angst vor diesen staatlichen Firmen haben. Der Westen sollte weiterhin auf seine Stärken setzen: Wettbewerb, freie Marktwirtschaft, Pluralismus. Langfristig werde der Staatskapitalismus nicht erfolgreich sein, weil Staatsbetriebe die Tendenz hätten, zu gross, zu ineffizient und zu wenig innovativ zu werden.


Kommentare
 

26.1.2012 08:17

  

Gegenwärtig erweist sich der Staatskapitalismus für China als Vorteil. So kann China die billigeren Arbeitskräfte besser koordinieren. Mit zunehmendem Wohlstand, muss die Qualität der Produkte steigen, um genügend Wert zu generieren, um höhere Löhne bezahlen zu können. Somit braucht es Innovationskraft. Grösste alleine hilft nicht. Das sieht man gut daran, dass „Big-Pharma“ „Little-Biotech“ aufkauft. Ein anderes Beispiel ist die gesamte Softwarebranche. Ein 2 × 2 Meter grosser Raum, ein Stahltisch, ein Stahlstuhl, eine Glühbirne und ein Laptop reichend, dass ein kluger Kopf sehr viel Geld verdienen kann.

China täte sich selbst einen Gefallen, wenn sie das Aufkommen neuer Unternehmen nicht unterbindet. Wer die besten Produkte hat, setzt sich durch. Nur solche Unternehmen generieren nachhaltig Arbeitsplätze. In der Schweiz sieht man das sehr gut in der Landwirtschaft und den wenig produktiven Arbeitsplätze, die an dieser hängen. Dafür muss China ihre Staatsunternehmen nicht aufgeben. Diese können versuchen, sich auf dem Markt durchzusetzen. Sie können ähnlich wie heute Joint-Ventures eingehen oder kleinere Unternehmen aufkaufen. Die entscheidende Frage ist, ob China das zulässt, oder ob sie die Staatskonzerne schützen. Diese dienen einerseits als Einnahmequelle und andererseits lässt sich über sie die Wirtschaft kontrollieren. Das beste Beispiel in China bieten die Banken. Diese finanzierten das Konjunkturpaket, indem sie den „Kommunen“ über spezielle Vehikel Kredite gewährten. Schliesslicht dürften „Kommunen“ keine Schulden machen. Da viele dieser Projekte nicht nachhaltig sind, drohen Abschreibungen. Das erklärt teilweise, warum die Chinesen ihren Finanzmarkt abschotten. Andere Banken liessen das nicht mit sich machen und hätten gegenüber den einheimischen einen Vorteil.

Dass ein Staat neue Unternehmen toleriert, ist auch wichtig, damit das Vermögen gerechter verteilt wird. Neue Unternehmen minimieren den Wert der alten, wenn sie Erfolg haben. Andere verlieren Vermögen, neue bauen es auf. Je gleichmässiger das Vermögen verteilt ist, unzufriedener ist eine Gesellschaft und umso mehr ist Wohlstand möglich. Der Mittelstand verteilt sein Geld schliesslich im gesamten Spektrum der Wirtschaft. Vom Lebensmittel im Supermarkt, dem Autohaus, den Ferien, bis zur Lebensversicherung konsumiert er alles.

Gegenwärtig wirkt China sehr weise. Sie lernten von den Fehlern im Westen. Bald muss China beweisen, ob sie wirklich weise sind, oder nur den Pfützen ausweichen, in die andere bereits traten.

M. Schmid


26.1.2012 23:13

  

Der Staatskapitalismus ist ein Problem - auch in China. In Amerika führte er zur Subprimekrise, in China werden die Auswirkungen noch schlimmer sein. Auch die derzeitige Eurokrise hat er zu verantworten (besonders in GR).

China erlitt, wenn man das Wachstum um die reale (nicht die offizielle) Inflation bereinigt, 2011 eine Rezession. Natürlich kann man jetzt argumentiere, dass der Staatskapitalismus schlimmeres verhidnern konnte (den der Staat sagte den Banken einfach, sie sollen den Staatsbetrieben mehr Kredite geben). Tatsächlich wird so aber das Problem nur herausgezögert und auf die Bevölkerung abgewälzt. KMUs, beispielsweise, bezahlen in China 15 bis 50 Prozent Zins auf ihre Kredite.

Am Ende hilft der Staatskapitalismus nur dem Staat, respektive den Beamten und den Politikern. Er hält das Regime in China am Leben - doch die kleinen Leute im Land arm.
Kein Modell also, welches ich mir als Ökonome für die Schweiz erhoffe.

Norman Nord


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