27.1.2012 09:44

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Wenn zwei mächtige Frauen streiten

Angela Merkel sagt am WEF Nein, Christine Lagarde sagt Ja. Die beiden einflussreichsten Frauen der Welt befinden sich im Clinch, was den Euro-Rettungsschirm anbelangt.


Während Christine Lagarde unbedingt den Fonds auf 1000 Milliarden Euro aufstocken will, winkt Angela Merkel ab. Sie will das ihren Wählern nicht zumuten, denn noch mehr Geld für Griechenland dürfte in Deutschland äusserst unpopulär sein. Christine Lagarde dürfte aber nicht nachgeben. Wenn die Europäer noch mehr Geld vom Währungsfonds wollen (und das wollen sie bestimmt), dann müssen sich die Europäer stärker beteiligen.


Merkel hofft noch immer, dass sich Europa schon irgendwie durchwursteln könnte, ohne eine Erhöhung. Die meisten Experten glauben aber, dass das nicht geht. Denn jetzt muss eine Brandmauer um Italien und Spanien errichtet werden. Sollten diese Staaten von den Spekulanten attackiert werden, dann würde das den Euro endgültig ruinieren. Lagarde will für diesen Fall gewappnet sein.


Gleichzeitig muss endlich der Schuldenschnitt von Griechenland über die Bühne gehen. Ohne eine Lösung mit Athen geht es nicht. Das heisst aber noch lange nicht, dass der Euro dann schon über den Berg ist. Denn das grosse Problem bleibt bestehen: Die Leistungsbilanz-Unterschiede zwischen den europäischen Staaten sind gigantisch. Hier ist Sprengpotenzial vorhanden. Solange dieses Problem nicht attackiert wird, dürfte die Konstruktion Euro instabil bleiben.


Kommentare
 

27.1.2012 15:37

  

Als Deutsche und Europäerin möchte ich mich für Ihre Kommentare bedanken. Mit diesen kapiere ich endlich unsere eigene Politik,denn sie sind verständlich und klar. Da ich aus dem Empfangsbereich des Schweizer Fernsehens weg ziehe,freue ich mich über alle Nachrichten im Internet. So bleibt Verbundenheit. Danke!

Elva Plato


29.1.2012 15:23

  

Wie die klassische und neoklassische Wirtschaftstheorie am Schlamassel mitverantwortlich ist:

Was auffällt: als Annahme gilt: Sparquote = Investition in die Produktion. Das ist eine weit verbreitete Annahme in der Klassik und Neoklassik. Aber diese Annahme hat es in sich! Sie blendet so einiges aus: dass Ersparnisse u.a. gehortet, in Boden- und Finanzspekulationen investiert werden können, und zwar in nicht unerheblichem Ausmass. Und genau dies bleibt makroökonomisch nicht ohne Auswirkung. Geldhortung führt zur Deflation. Das heute angewendete Gegenmittel ist die Geldmengenausweitung und Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Die Konsequenzen lassen sich sehen: Blasenbildungen, Inflationspotential usw. Werden Ersparnisse in Boden - und Rohstoffspekulationen investiert, werden dabei keine Werte geschaffen sondern Grundlagen des Wirtschaftens verteuert, was längerfristig ebenfalls auf eine Inflation hinausläuft und die Verteilung zuungunsten der Erwerbstätigen beeinflusst. Es ist schlicht eine parasitäre Bereicherung durch künstliche Verknappung von Gütern statt Erschaffung von zukünftigen Werten. Letztlich führt gerade die Tatsache, dass die Sparquote NICHT den Investitionen in die Produktion realer Werte für die Zukunft entspricht, zur heutigen Situation: in Geldwerten werden enorme Schulden=Vermögen geschaffen, aber diese haben keine reale Grundlage, diese sind real untragbar bzw. durch das aktuelle und den zukünftigen Sozialprodukte nicht zu finanzieren. Deshalb ist ein Reset nötig: Schulden & Vermögen müssen zu einem grossen Teil gestrichen werden - werden müssen. Ob geordnet oder nicht. Natürlich spielt auch die Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken eine Rolle, welche die unkontrollierte und illusionäre Geldmengenausweitung ermöglicht hat.
Die Annahme, Sparquote = Investition in die Prodkution ist nicht nur dumm, sondern ist verheerend - in dem sie die Ökonomen blind macht für die oben beschriebenen Problemen. Die Konsequenzen können nicht unterschätzt werden.
Not-wendig sind Reformen welche sicherstellen, dass gilt: Ersparnisse = Investitionen in die Produktion! Erst dann werden die Formeln der Klassiker und Neoklassiker ihre Berechtigung haben. Heute sind sie zu einem wesentlichen Teil reine gefährliche Irreführungen und verursachen sehr viel unverschuldetes Leid von Millionen von Menschen.

H. Bernoulli


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