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26.7.2012 09:26

 

Das Kartell der Rating-Agenturen

Verschwörungstheoretiker haben es schon immer gewusst: Die Rating-Agenturen sind die wahren Bösewichte. Sie hätten die US-Finanzkrise 2008 verursacht und sie verstärkten jetzt mit ihren ständigen Herabstufungen die Euro-Krise. Und weil die einflussreichsten Rating-Agenturen in den USA beheimatet sind, hätten sie eine Tendenz, die USA zu schonen und Europa an den Pranger zu stellen.


An Verschwörungstheorien glaube ich zwar nicht, aber immerhin kommt jetzt eine Studie der Universität St. Gallen zum Schluss, dass die Urteile der Rating-Agenturen völlig willkürlich sind. Die Euro-Krise sei durch die teilweise falschen Urteile der Agenturen verschärft worden.


Tagesschau vom 25.07.2012

Wendet man nämlich die ursprünglichen Kriterien der Rating-Agenturen auf Griechenland oder Spanien an, dann würden die Einstufungen für diese Länder wesentlich besser aussehen als heute. Die Rating-Agenturen haben also in der Krise ihre Kriterien verschärft, interessant ist allerdings, dass sie das nur für europäische Staaten getan haben, nicht aber beispielsweise für die USA. Und das weckt schon Zweifel an ihrer Objektivität.


Dass die Rating-Agenturen ihre Schrauben angezogen haben, ist durchaus verständlich. Noch 2008 ist ihnen vorgeworfen worden, die Finanzkrise nicht nur nicht vorhergesehen, sondern sie sogar befördert zu haben. Im Auftrag der Banken haben sie nämlich Finanzprodukte beurteilt und sie mit Ratings versehen, die viel zu positiv waren. 


Zu harte Urteile


Bei der aktuellen Schuldenkrise haben die Agenturen natürlich die Tendenz, ins Gegenteil zu übermarchen, sprich: zu harte Urteile auszusprechen. Diesmal wollen sie sich nicht der Kritik aussetzen, nicht gewarnt zu haben. Das Problem ist, dass sich mit jeder Warnung die Lage für die europäischen Problemstaaten verschlimmert. Das Rating wird herabgesetzt, die Zinsen für das entsprechende Land steigen, damit kann das Land die Zinsen noch weniger zahlen, das führt zu einer neuen Herabstufung und so weiter. Es entsteht ein Teufelskreis und eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. Die Rating-Agenturen führen jenen Zustand mit ihren Urteilen herbei, vor dem sie warnen.


Wäre es nicht das Beste, auf die Ratings zu verzichten? Vielleicht wäre das wünschenswert, nur ist es eben nicht rational, wie Professor Gärtner von der Universität St. Gallen sagt. Wenn Anleger die Ratings benutzen, wäre es irrational von einem Marktteilnehmer, nicht darauf zu schauen. Zudem werden gerade in Zeiten von Unsicherheit und Konfusion die Ratings immer wichtiger, weil verunsicherte Fonds-Manager und Pensionskassen-Experten händeringend nach einem Rettungsring suchen, an dem sie sich festhalten können.


Es braucht mehr Wettbewerb


Letztlich gibt es wohl nur eines: Es braucht mehr Wettbewerb im Rating-Geschäft. Dass nur gerade drei Rating-Agenturen weltweit dominieren, widerspricht allen Regeln des Wettbewerbs. Das ist ein Kartell. Es braucht neue Mitbewerber, die den Markt aufbrechen.


Zudem gibt es massive Interessenskonflikte: Noch immer bezahlen die Banken und Ausgeber von Wertpapieren für die Ratings, die die Agenturen erstellen. Das verhindert Objektivität. Das ist etwa so, wie wenn Nestlé das Konsumenten-Gütesiegel für Nespresso sponsoren würde.


Die Käufer von Wertpapieren sollten die Rating-Urteile künftig bezahlen und nicht die Verkäufer. Das aber durchzusetzen, ist enorm schwierig. Denn bisher haben weder Fonds noch Pensionskassen für solche Dienstleistungen bezahlt. Langfristig ist es aber so: Die Anleger käme es billiger, sie würden für objektive Rating-Urteile bezahlen, als dass sie Wertpapiere kaufen, die auf manipulierten und geschönten Rating-Urteilen basieren.


Kommentare
 

27.7.2012 05:02

  

"Bei der aktuellen Schuldenkrise haben die Agenturen natürlich die Tendenz, ins Gegenteil zu übermarchen, sprich: zu harte Urteile auszusprechen." Was aber auffällt, ist dass diese harten Urteile vor allem für die Eurozone gelten, während GB, USA und Japan im Vergleich extrem verschont bleiben.

Es gibt eine interessante, kleinere und vermutlich unabhängigere Rating-Agentur: Weiss Rating. Auch dort stehen die Eurostaten nicht sehr gut da, aber zumindest nicht schlechter als GB und USA.

Mit verschiedenen Aussagen und Ratings sollte Moody bezüglich Glaubwürdigkeit auf Ramschniveau herabgestuft werden.

H. Bernoulli


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