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Kategorie: Wirtschaft international
22.6.2012, 10:28
Bankenkrise in Europa: Nachbeben oder Vorbote?

Fabian Kaufmann hat auf der «ECO»-Facebook-Seite gefragt, ob die gegenwärtige Bankenkrise in Europa eine Folge der letzten Krise sei oder vielmehr ein Vorbote für eine weitere, noch wesentlich schlimmere Entwicklung in Europa? Meine Meinung ist: Leider trifft beides zu.

 

Am Anfang der Entwicklung standen die Banken, die ihre Bilanzen mit dubiosen Papieren vollgestopft hatten. Diese hatten sich nicht als werthaltig erwiesen und lauteten vielfach auf den amerikanischen Immobilienmarkt. Die Europäische Zentralbank musste mit viel Geld einspringen, weil die Banken sich untereinander keine Kredite mehr gaben.

 

Diese Krise hat aufgedeckt, dass die Banken zu wenig Eigenkapital hatten. Das gilt insbesondere auch für die Schweizer Grossbanken, deren echtes Eigenkapital im Vergleich zur Bilanzsumme zwischen 2 und 3 Prozent ausmacht, wenn man das neue Regelwerk Basel III zum Massstab nimmt.

 

Gewinne flossen vor allem in Boni - statt die Bank robuster zu machen

 

2009 und 2010 schütteten die Banken viel Geld ans Top-Management aus. Die CS beispielsweise gab letztes Jahr 87 Prozent ihres Gewinnes an die Angestellten, vor allem in Form von Boni. Gerade mal 6 Prozent gingen an die Aktionäre, und bescheidene 7 Prozent flossen in die Stärkung des Kapitals. Das sieht auch für andere Banken ähnlich aus.

 

Statt dass man also nach der letzten Krise die Lehren gezogen und die Bankbilanzen für kommende Krisen robuster gemacht hat, ist wenig passiert. Es stimmt zwar schon, dass in der Schweiz eine «Too-big-to-fail» Vorlage verabschiedet wurde und Basel III mehr Kapital verlangt, aber das muss alles erst bis 2019 umgesetzt sein.

 

Banken und Staaten schaukeln sich gegenseitig hoch

 

Bis 2019 kann noch viel passieren. Und: Die Regulatoren haben die Banken in den Markt für Staatsanleihen gedrängt. Staatsanleihen galten als sicher und müssen mit wenig Eigenkapital unterlegt werden. Die Banken haben deshalb ihre Bilanzen mit Staatsanleihen vollgepumpt. Das Resultat ist, dass Banken und Staaten nun unmittelbar miteinander verbandelt sind. So schaukeln sie sich gegenseitig hoch. Sobald Staaten als weniger solide gelten, werden auch die Banken zurückgestuft und müssen noch mehr Kapital haben. Und weil derzeit niemand Bank-Aktien kauft, wissen die Banken nicht, woher sie neues Kapital nehmen sollen.

 

Die USA haben das wesentlich besser gelöst, dort wurden Banken teilweise verstaatlicht, kapitalisiert und dann wieder reprivatisiert. Viele Banken wurden auch in den Konkurs geschickt. Bisher ist das alles in Europa nicht geschehen. Wenn die Banken nicht sehr bald gestärkt werden, dann könnte es zu «Bank-Runs» kommen, das bedeutet, dass Sparer in noch viel grösserem Ausmass als bisher schon ihre Bankguthaben und Spargelder abheben.

 

Schreckgespenst Bank-Run

 

Einen Bank-Run kann keine Bank überleben, denn die Banken legen ja das Geld an und können nicht sämtliche Spargelder sofort auszahlen. Davor haben die Aufsichtsbehörden am meisten Angst. Ein Bank-Run in den südeuropäischen Länder könnte den Euro an den Abgrund bringen. Damit es so weit nicht kommt, diskutieren die Euro-Länder am nächsten Gipfel eine Einlagen-Sicherung für alle Spargelder europaweit.

 

Weil also die Krise 2008 nicht genutzt worden ist, um die Banken stabiler zu machen, trägt die aktuelle Bankenkrise das Potenzial in sich, Vorbote einer noch viel grösseren Krise zu werden. Damit es nicht so weit kommt, braucht es jetzt unmissverständliche Signale, wie Europas Politiker die Krise meistern wollen. Eine Bankunion mit einer einheitlichen Behörde, die über die Gesundheit der Banken wacht und schnell eingreift bei Problemen, sowie eine Einlagen-Sicherung sind mögliche Lösungen für die akute Krise.


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